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DIN gibt Planungsempfehlungen für “Biologisch wirksame Beleuchtung“ heraus

You can read the English version here.

by Joachim Ritter

Licht ist entscheidend für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen. Es beeinflusst physiologische und psychologische Zustände wie Stimmungen, Emotionen und auch die Aufmerksamkeit. Die Bedeutung von Tageslicht oder von geeigneter künstlicher Beleuchtung zur Verbesserung des Wohlbefindens und zur Stabilisierung des circadianen Rhythmus, das heißt der Inneren Uhr, ist unumstritten. Die Wirkung des Lichts auf das biologische System hängt in komplexer Form hauptsächlich mit den Parametern Lichtspektrum, Lichtverteilung, Bestrahlungsstärke und deren zeitlichen Abfolgen zusammen.

Seit dem wissenschaftlichen Nachweis des iPRGC Photorezeptors sind nun mehr als zehn Jahre vergangen. Nun beginnt die Lichtbranche sich auf dieses Wissen mit neuen Planungsrichtlinien einzustellen und damit der Lichtkultur eine neue Richtung zu geben. Zur Umsetzung dieser Erkenntnisse in Beleuchtungsanlagen fehlten bis heute allerdings allgemein anerkannten Planungsempfehlungen, die neben einer guten Beleuchtung für Sehaufgaben auch die nichtvisuellen biologischen Wirkungen von Licht effizient nutzen. Nun sind erste Schritte sozusagen in Stein gemeißelt. In Deutschland werden mit der DIN SPEC 67600 erstmals Planungsempfehlungen gegeben.

Ziel der Planung und Anwendung biologisch wirksamen Lichts ist im Wesentlichen eine Stabilisierung des circadianen Systems des Menschen mit einem günstigen Einfluss auf Leistungsvermögen und Konzentration in den aktiven Phasen und eine nachhaltige Verbesserung der Regeneration in den Erholungsphasen. Der Fachbericht DIN SPEC 67600 gibt Planungsempfehlungen für Lebensräume, welche Arbeitsstätten oder Nichtarbeitsstätten sein können. Eingeschlossen sind auch solche Bereiche, in denen sich die Nutzungen überlagern oder mischen können. Die hier beabsichtigten biologischen Wirkungen beziehen sich auf Tageslicht und auf künstliche Beleuchtung oder eine Mischung von beiden. Der Fachbericht DIN SPEC 67600 legt keine Anforderungen hinsichtlich einer beabsichtigten Verschiebung der circadianen Phase mit Licht fest und enthält lediglich allgemeine Planungshinweise für Arbeitsplätze mit Schichtarbeit.

Nach der ersten Einsicht lässt sich eindeutig feststellen, dass der Umfang der Empfehlungen einige Planer in der Praxis doch sehr überfordern wird. Mit über 46 Seiten für eine Empfehlung wird sichtbar, dass der neue Aufgabenbereich umfassend ist und in keinster Weise mehr der bisherigen Vorstellung von Lichtplanung entspricht. Dieses ist auch eine Chance, denn es beinhaltet die Erkenntnis, dass Licht einen umfassenden und grundlegenden Einfluss auf den Menschen, sein Wohlbefinden und seine Gesundheit hat, den es in der Planung zu berücksichtigen gilt. Es ist insofern auch eine Chance, als nun dem Bauherrn ein Dokument vorgelegt werden kann, mit dem höhere Investitionen für Licht und mehr Lichtqualität eingefordert werden kann.

Deutschland hat damit eine Vorreiterrolle übernommen, ebenso wie übrigens die IES in Nordamerika oder auch die norwegische Lichtgesellschaft aktuell auch. Hier wird an entsprechenden Regeln und Empfehlungen gearbeitet. Die Wandel in der Lichtbranche ist somit dynamisch und nicht mehr aufzuhalten. Der Point of no return ist überschritten.

Im Rahmen der PLDC 2013 in Kopenhagen ist geplant, diese neuen Richtlinien der Fachwelt vorzustellen und zu diskutieren. Licht wird erstmals nicht nur als technische Disziplin, sondern auch als Disziplin des Ambientes definiert.

Die Planungsempfehlungen DIN SPEC 67600, Ausgabe April 2013, kann beim Beuth-Verlag, 10772 Berlin, bezogen werden.

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